Die erste Nacht im fremden Bett ist überstanden. In Ravensburg sind wir bei Freunden von Freunden von Freunden untergekommen. Fremde Menschen eigentlich, von denen wir lediglich die Vornamen und die Adresse kannten. Und dennoch hat man uns unglaublich herzlich empfangen. Wie gute Bekannte. Zur Begrüßung gab es eine Schüssel heißes Curry, wir sind mitten in ein gemeinsames Kochen unter Freunden geplatzt. Und wurden sofort in die Runde aufgenommen, integriert. Toll, dass es Menschen gibt, die fremde Menschen so ganz unvoreingenommen aufnehmen. Nette Menschen. Markus, Jonas und Stefan von lustblume.de sind ein paar lustige Typen. Haben ihre eigene Videoagentur und betreiben eine Beratungshomepage für Sexspielzeug. Trotz des lustigen Abends schlafen wir schlecht. Sicher die Aufregung vor dem heutigen Tag. SWR- Interview, Auftakt der Reise, die erste Etappe zu Fuß. Ersteres läuft schon mal ganz gut. Pünktlich um acht stehen wir vor dem SWR-Korrespondentenbüro in Ravensburg mit Andreas Schmauder vom Humpis-Quartier. Das Interview ist kurz und schmerzlos. Warum die Aufregung? Gut, hinterher ist man immer schlauer. Vor den nächsten Interviews ist die Angst jetzt also deutlich gesunken. Die Moderatorin wünscht uns alles Gute für die Reise und los geht’s. Während wir uns auch von Herrn Schmauder noch gute Wünsche mit auf die Reise geben lassen, geht draußen die Welt unter. Doch kaum lufen wir los, hört es auf zu regnen. Als würde es das Wetter gut mit uns meinen. Die Reise steht unter einem guten Stern. Noch schnell beim Supermarkt Reiseproviant gekauft und dann verlassen wir Ravensburg Richtung Oberteuringen. Auf unsere erste Spur, eine Humpisstraße. Und tappen bereits in die erste Falle. Auf die Wanderwege des Schwäbischen Albvereins war kein Verlass. Drei Schilder mit der Aufschrift „Wanderweg“, die in drei verschiedene Himmelsrichtungen zeigten, machten es uns nicht einfach. Gut, dass wir eine Karte dabei haben. Aber die bringt auch nicht mehr Klarheit. Nach einigen Irrungen und Wirrungen geraten wir zurück auf den rechten Weg, mit einer knappen Stunde Verspätung. Dank GPS. Denn ohne Smartphone ging es dann eben doch nicht. Wir fragen uns mit jedem Kilometer mehr, wie es die Kaufleute vor 600 Jahren ganz ohne Wanderkarte und Smartphone bis nach Barcelona geschafft haben. Und ärgern uns über uns selbst, dass wir dazu nicht in der Lage sind. Und außerdem tut alles weh, schon nach den ersten paar Kilometern. Wir sind ganz schön verwöhnt und verweichlicht. Bei dem Gedanken, die gesamte Strecke bis nach Barcelona, so wie die Kaufleute, zu Fuß zurückzulegen, sträuben sich uns die Nackenhaare. Wir würden kapitulieren. Denn schon jetzt bilden sich Blasen an den Fußsohlen, die Schultern brennen vom schweren Rucksack und irgendetwas knackt da in der Hüfte. Einzig das Wetter hat uns heute die Treue gehalten. Von weiten sehen wir das Unwetter vor uns herziehen. Nach uns die Sintflut, nur andersherum. Die gesamte Strecke vorbei an unzähligen Apfelplantagen, von deren Qualität wir uns nur einmal überzeugen, bleiben wir trocken. Mit letzter Kraft, wir haben die letzten 4 km unterschätzt, erreichen wir den Stadtrand von Markdorf. Beim ersten Supermarkt halten wir an, wir brauchen Zucker. Mit einer Cola bewaffnet, machen wir es uns auf dem Parkplatz bequem, weiter schaffen wir es nicht. Und wieder bewundern wir die Kaufleute, die es ohne zuckrige Energie-Cola damals so viel schwerer gehabt haben mussten. Denn wir sind nach unseren ersten 25 km ganz schön geschafft. Pünktlich zum Einbruch des Platzregens werden wir abgeholt von unserer heutigen Gastgeberin Judith. Es gibt Chili con Carne. Cowboy-Essen als Stärkung für unsere morgige Etappe bis Konstanz. Natürlich wieder zu Fuß. Aber erst nach einer hoffentlich erholsamen Nacht mit müden Gliedern.
Anne
Montag, 14. September 2015
Sonntag, 13. September 2015
Auf den Spuren der Humpis - Tag 0
Tag 0, Stunde 0:
Jetzt geht es los. Endlich. Ich sitze im Zug von Tübingen nach Ravensburg. Mit meinem Rucksack - 15 Kilo geballtes Abenteuer. 2 Stunden Zeit, um die letzten Tage Revue passieren zu lassen und Kraft zu sammeln für die nächsten drei Wochen. Ein riesiges Abenteuer. Bei dem noch so vieles offen ist. Wie kommen wir von A nach B? Wo werden wir schlafen? All das wird sich zeigen, mit der Zeit. Aber jetzt erstmal nach Ravensburg, zum Startpunkt unserer Reise. In Aulendorf kommt Friederike dazu, wir werden die nächsten drei Wochen zusammen verbringen. Auch das wird spannend. Gemeinsam auf den Spuren der Humpis und der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft. Nach so vielen Wochen Planen, Hoffen, Bangen. Haben wir an alles gedacht? Haben wir alles gut überdacht? Auf was haben wir uns da eingelassen? Viel Freude, aber auch ein bisschen Zweifel. Was sollen wir uns ansehen an unseren Stationen? Was wollen wir, können wir zeigen? Was können wir überhaupt leisten auf unserer Reise? Eine historische Aufarbeitung? Einen Roadtrip? Wie viele Spuren werden wir wirklich finden? Abseits der Altstadt-Postkarten-Motive. Enge Gassen, Touristen-Kitsch. Oder ist es genau das, was wir zeigen sollten? Das, was letztlich geblieben ist, erhalten seit 500 Jahren. Auf den Spuren der Humpis. Ein funktionierendes Handelsnetz zwischen Nord- und Südeuropa. Was haben die Kaufleute damals gesehen? Eben diese Gebäude, die wir auch heute noch in manchen mittelalterlichen Altstädten bewundern können. Kathedralen, Plätze, Brücken, Herrenhäuser. Wir werden sehen, was uns auf unserer Reise alles begegnen wird und mit welchen Widrigkeiten wir zu kämpfen haben werden. Ein Abenteuer wird es in jedem Fall. Von Ravensburg nach Barcelona - na dann mal los...
Anne
Auf den Spuren der Humpis - von Ravensburg nach Barcelona
Die Fugger aus Augsburg, die kennt man. Aber die Große Ravensburger Handelsgesellschaft? Die kennen nur die Wenigsten. Dabei war die Gesellschaft eines der bedeutendsten europäischen Handelsunternehmen des Spätmittelalters. Zwischen 1380 und 1530 exportierte sie Leinwand, Metalle, Felle und Leder ins gesamte mittelalterliche Europa. Mit Standorten in Italien, Spanien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden oder England. Importiert wurden vor allem Gewürze, südländische Früchte und Edelsteine. Koralle und Safran lockten die Kaufleute Humpis, Muntprat und Mötteli der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nach Barcelona. Das dokumentiert auch die Ausstellung “Die Humpis in Barcelona” im Museum HumpisQuartier in Ravensburg. Der Weg nach Barcelona war lang und beschwerlich. Für die Reise brauchten die Kaufleute im späten Mittelalter zwischen 30 und 40 Tagen. Welche Orte lagen entlang der Handelsstraßen? Wo konnte man übernachten? Welche Zölle waren zu bezahlen? Welche Transporteure zuverlässig? Derlei Informationen waren wertvoll für die Gesellschaft. Heutzutage setzen wir uns ins Flugzeug und sind innerhalb kürzester Zeit an Orten auf der ganzen Welt. Ohne Komplikationen. Anne Täschner und Friederike Luithle, zwei Studentinnen der Medienwissenschaft an der Uni Tübingen, machen sich auf den Weg von Ravensburg nach Barcelona, auf den Spuren der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft. Zu Fuß, mit dem Auto, mit Bus oder Bahn.Sie begeben sich auf Spurensuche von Ravensburg über Konstanz, Bern, Genf, Lyon, Avignon und Perpignan bis nach Barcelona. Was haben die Kaufleute auf ihrer Reise erlebt? Wie wurde damals Handel betrieben, wie heute? Wo haben die Handelsleute damals übernachtet, wie können wir heute reisen?
Sonntag, 7. Juni 2015
Auf einen Kurztrip zur Vernissage nach Ravensburg
Autorin: Lisa Schwarz

Ein Semester lang haben uns die Humpis begleitet. Wir haben
Texte über sie geschrieben, Hörspiele eingesprochen, die letzten noch lebenden
Humpis besucht und sind ihren Spuren bis nach Barcelona gefolgt. In unserem
Lehrforschungsprojekt haben wir über dem Ausstellungsdisplay gebrütet, mögliche
Flyer und Plakate entworfen und unsere Foto- und Videogruppen kamen mit
reichlich Material aus Hamburg, Oberschwaben und Barcelona zurück. Was aber dann mit unseren Materialien und Ideen passieren
würde, das erfuhren wir erst am Tag der Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum
Ravensburg. Umso gespannter waren wir auf die Vernissage.
Schick gekleidet und
natürlich stilvoll mit unseren #humpis-Taschen behängt ging es also für uns mit
dem Bus von Tübingen über die Schwäbische Alb nach Ravensburg. Eröffnet wurde
die Ausstellung, wie es sich gehört durch einige kurze Reden, unter anderem der
Kuratorin Maike Knittel, Museumsleiter Andreas Schmauder und des Leiters
unseres Lehrforschungsprojekts, Kurt Schneider.
Nach
dem offiziellen Teil durften wir dann endlich unsere Neugier befriedigen und uns
die fertige Ausstellung anschauen: Vom Innenhof, der wie wir uns vorgestellt
hatten, mit einer Landkarte ausgelegt ist, über den Raum des Königreichs
Aragon, den Barcelona-Raum mit Fotos und Videos unseres Barcelona-Teams, bis
hin zum letzten Raum unter anderem mit den Fotos der Humpis-Schlösser in
Oberschwaben. Dort konnten wir dann auch schwarz auf weiß unser Mitwirken auf
der Liste des Ausstellungsteams nachlesen!
Auch wenn unsere Reise von Tübingen nach Ravensburg
wahrscheinlich deutlich komfortabler war als die der Humpis nach Barcelona, fielen
wir doch recht ausgehungert über die gereichten Tapas und den Wein her. Schließlich mussten wir fit sein für unser anstehendes
Interview, das die unvergleichliche Barbara in einer beeindruckenden
Plansequenz durch die komplette Ausstellungsfläche mit allen beteiligten
Gruppen führte.
Die geschnittene Version des Beitrags findet ihr hier:
Wäre es nach uns gegangen, wäre der Abend in Ravensburg noch sehr viel länger gegangen. Leider nur mussten wir viel zu früh aufbrechen, da wir mit dem Bus wieder pünktlich in Tübingen sein mussten. Gegangen sind wir aber natürlich nicht, ohne Herrn Schmauder das Versprechen zu geben, wiederzukommen, um uns die Ausstellung nochmal genau anzuschauen und unser tolles Projekt gebührend und ohne Zeitdruck zu feiern!
Montag, 4. Mai 2015
Die Mewis hinter den #humpis
Mewi, das steht für "Medienwissenschaft". Daher sind wir "die Mewis" - die Studierenden der
Medienwissenschaft, Experten des digitalen Zeitalters. Dass wir unsere Köpfe allerdings nicht nur vor
Flachbildschirme und Spiegelreflexkameras stecken, sondern unser
Studiengebiet durchaus mehrere Epochen umspannen kann, das führt das
Ausstellungsprojekt Die Humpis in Barcelona vor Augen (und Ohren). Wir haben aus den Humpis einen Hashtag gemacht - und die Humpis aus uns Mittelalterfans. Das sind wir:
Kurt Schneider, geschäftsführender Leiter des Zentrums für Medienkompetenz (ZFM) an der Universität Tübingen, Barbara Zoé Kiolbassa, Tutorin, und Andreas Schmauder, Direktor des Museums Humpis-Quartier in Ravensburg
Bereich: Kursleitung und Projektkoordination
Theresa Offenbeck, Oliver Lichtwald, Constanze Ramsperger
Bereich: Ausstellungsdisplay / Besucherführung
Mission: Die einzelnen Ausstellungselemente zu einem stimmigen Bild vereinen, das eine Geschichte erzählt
Jenny Plotka, Juliane Kessler, Nathalie Steinmann, Laura Matz, Saskia Dekker
Bereich: Textredaktion
Mission: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Kuratorin Meike Knittel in knackige Ausstellungstexte verwandeln, die Jung und Alt, Laien und Experten ansprechen
Nadine Adel, Sabine Fischer, Verena Lingel, Svenja Müller (nicht im Bild)
Bereich: Social Media
Mission: Die Humpis digital machen und das Museum Humpis Quartier viral vernetzen
Isabelle Krumrein, Lisa Schwarz
Bereich: Grafik / CI
Mission: Der Geschichte der Ausstellung die "CI", die "Corporate Identity", verpassen und so die Ausstellungstexte, Flyer und Plakate unverwechselbar machen
Christiane Rauscher, Christoph Jäckle, Helena Golz, Karolina Stecko
Bereich: Foto/Licht
Mission: Einerseits die Lichtdramaturgie der Ausstellung gestalten, andererseits die Schauplätze des katalanisch-süddeutschen Kapitels der Humpisgeschichte fotografisch nach Ravensburg holen
Anne-Mareike Täschner, Friederike Luithle
Bereich: Audiodesign
Mission: Die Geschichte der Humpis in Barcelona durch Hörbücher und Tonkollagen hörbar werden lassen

Albert Schilling, Julian Boxricker, Stefan Sommer, Matthias Röck, Nina Stocklöw, Linrui Dai (nicht im Bild)
Bereich: Film/Video
Mission: Den Besucher durch audiovisuelle Abenteuer nach Barcelona und in die süddeutschen Schlösser der Humpis katapultieren.
Das sind wir - wir freuen uns auf euch!
Dienstag, 28. April 2015
Die Humpis in Barcelona #3
Nun ist es endlich soweit: Am 8. Mai eröffnet das Museum Humpis-Quartier die von uns mit konzipierte Sonderausstellung "Die Humpis in Barcelona – Rote Koralle für ganz Europa". Doch vorher werfen wir mit dem dritten und letzten Teil unseres Making Ofs noch einmal einen Blick zurück auf unseren Trip nach Barcelona:
Montag, 13. April 2015
Auf den Straßen Barcelonas - Eine Umfrage
Wer sind die Humpis? - Im Spätmittelalter sicher keine schwere Frage für die Bewohner Barcelonas. Heute ist sie jedoch nicht mehr so leicht zu beantworten....
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